Leeret mit Andacht das Horn den Met, der den Göttern entstammt. Wer redet vorschnell im Zorn, der trinke bis Weisheit entflammt.
Spruch aus dem Norden (um 300 v. Chr.)

Quitte Honigwein - Met trifft auf leicht säuerlicher Quitten Beerenwein

Quitten an BaumAuf den hohen Ebenen des Waldes, wo die Sonne besonders stark scheint und ein leichter Wind durch die Baumkronen weht, wächst eine ganz besondere, fast vergessene Frucht. Ein kleiner Baum mit gelben Früchten bewegt sich sanft in der warmen Luft und verströmt einen auffällig fruchtigen Duft, welcher es dem Wankenden Bären leicht macht, ihn zu finden. Seine kurze Blütezeit im Mai und Juni hält die Bienen des Waldes an sich zu beeilen – um möglichst viel süßen Nektar aus den großen, weiß-rosa gefärbten Kelchblüten des seltenen Quittenbaumes zu sammeln. Darauf folgen einige Monate, in denen sich der Baum genüsslich von der Sonne bescheinen lässt. Und erst wenn der Wald sich rot-orange färbt und die Blätter langsam fallen, kriegt die Quitte ihren großen Auftritt. Die üppige Baumkrone mit ihren großen, dunkelgrünen Blättern ist dann gefüllt mit vielen, gelb-leuchtenden Früchten. Ein Farbenspiel das alle Wesen des Waldes zum Staunen einlädt. Die leicht behaarten Früchte werden aufgrund ihres Aussehens manchmal als Mischung von Apfel und Birne verkannt. Doch die Quitte ist eine Klasse für sich: Ihr fruchtiger Duft ist so intensiv, dass die Früchte bereits im Mittelalter als natürliches Parfüm gemeinsam mit der Wäsche aufgehängt wurden. Mit voller Hingabe kümmert sich der Wankender Bär also um den kleinen Quittenbaum, wenn auch nicht ganz uneigennützig, weil er noch Tage danach angenehm frisch nach Quitte duftet. Der einladende, fruchtige Geruch der Quitte gepaart mit der freundlichen, gelben Farbe täuscht hingegen einige, hungrige Unwissende, denn die meisten Quittensorten sind im rohen Zustand kaum genießbar. Die harte Schale ummantelt ein ebenso hartes Fruchtfleisch und der Geschmack ist herb bis bitter. Nur wenige Quittensorten besitzen ein weiches Fruchtfleisch und einen milden Geschmack, denn die eigentliche Stärke der Quitte, und dieses Geheimnis kennt der Wankende Bär ganz genau, liegt in der Weiterverarbeitung der Frucht. 

Bienen an BlüteDenn gebacken, gekocht oder gedämpft entfaltet sich erst das fruchtig-herbe, leicht zitronige Aroma der Quitte. Das bekannteste Produkt ist die Quittenmarmelade, wobei der köstliche Geschmack der Quitte auch als Kompott, Suppe, Saft, Gelee, Likör, Schnaps oder Wein überzeugt. Die Qualitäten der Quitte sind auch weltweit bekannt, denn ursprünglich im Kaukasus gewachsen, macht die Quitte eine erstaunliche Wanderung über Griechenland, dem alten Rom hin bis nach Mitteleuropa und wird allerorts äußert geschätzt. Intensiv und fruchtig – dieser Geschmack ging auch am Wankenden Bär nicht vorbei und er braute einen Quittenwein aus den Früchten, die in seinem Wald wuchsen. Sorgsam wusch er die feinen Haare der Quitten ab, die sonst den Wein bitter schmecken lassen würden und zerstampfte daraufhin die Früchte mühsam mit seinen Pranken in einem Bottich. Vorsichtig schöpft er den Saft der Quitten ab, damit kein kostbarer Tropfen verloren geht, und füllt diesen mit Zucker, Hefe und Wasser in einen riesigen Krug, fast so groß wie er selbst. Der leckere Quittenmet soll am Ende ja möglichst viele Met und Beerenwein Liebhaber glücklich machen.

Einige Zeit vergeht bis der fertige Quittenwein seinen herrlichen Duft im Wald verteilt. Dann weiß der Wankender Bär – es ist an der Zeit. Er zieht durch den Wald, besucht seine Bienen und fragt sie nach ihrem leckeren, süßen Honig. Natürlich teilen die Bienen ihren Honig nur allzu gern mit dem Wankenden Bären, denn sie wissen genau, dass der fertige Honigmet den Honiggeschmack wunderbar zur Geltung bringt. Also wird die klebrige Honigmasse mit frischem Quellwasser und Quittenwein gemischt und gärt noch einmal für einige Zeit, bis sich der Zucker des Honigs in Alkohol umwandelt und der Geschmack von Honig und Quitte vereinen. Freudig tanzt der Wankender Bär, wenn er zu seinem, bis zum Rand gefüllten, Krug mit Quittenmet zurückkehrt. Er hält seine feine Nase über den Wein und nimmt einen kräftigen Atemzug voll fruchtig-süßer Aromen und schöpft sich ein kleines Schlückchen von dem flüssigen Glück ab. Voller Entzücken tanzt er noch wilder um den Krug herum – der Quittenwein ist fertig.

Schön angerichtete HoniggläserDer Quittenwein hat nun eine goldene, klare Farbe mit einem leichten roten Unterton. Der herbe, säuerliche Geschmack der Quitte wird optimal mit der Süße des Honigs ausgeglichen und kann warm oder kalt, im Glas oder im Becher, im Sommer oder Frühling ganz nach dem eigenen Belieben getrunken werden. Der Wankende Bär bevorzugt einen großen Becher zu jeder Jahreszeit und Temperatur – hauptsache randvoll. Die Besonderheit des Quittenmets liegt natürlich an der Einzigartigkeit der Quitte. In vielen Kulturen unter den verschiedensten Namen bekannt, wurden der Quitte nicht nur heilende und antibakterielle Kräfte aufgrund der Gerbstoffe zugeschrieben. Sie wurde auch zum Symbol von Liebe, Glück, Klugheit, Fruchtbarkeit und Unvergänglichkeit. Als fleißiger Quittenmet-Trinker wird es dir also an diesen Dingen in deinem Leben nicht fehlen. Der Wankende Bär ist der lebendige Beweis für die Superkräfte der Quitte. Also probiere auch du einen ganz besonderen Met mit dem Geschmack einer Frucht, die trotz ihrer Beliebtheit lange in Vergessenheit geraten war und aktuell ihr Comeback feiert und tanze auch du voller Glück, wie der Wankende Bär, um deinen Quittenmet.

Nun trink! Was in der Menschenwelt als göttlich sich erweist, die Freiheit ist dem Rausch gesellt.
Friedrich Hornfeck (1822-1882)