Wenn das Wasser im Rhein gold’ner Wein wär, ja, dann möchte ich so gern ein Fischlein sein.
Rheinisches Volkslied

Waldbeer Met - Honigwein trifft auf erfrischend fruchtigen Waldbeersaft

Waldbeeren an StrauchFür die fabelhafte Metsorte „Waldbeer“ hat der Wankende Bär in seinem magischen Wald in Meeresnähe eine bunte Mischung an Waldbeerpflanzen angelegt. Diese hegt und pflegt er fürsorglich, mit Liebe und sammelt die Beeren dann zwischen Juli und September ein.
Eines schönen Julitages – der Bär wanderte mit seinen magischen Gehilfen in seinem Wald umher, um Beeren zu lesen – wurden die Sträucher immer leerer, je weiter er sich dem Meer annäherte. Energisch suchten der Bär und seine Freunde weiter, doch die Ausbeute der Beeren wurde immer weniger und weniger. Verwundert kratzte sich der Wankende Bär am Kopf: „Wo sind nur all die Beeren hin?“, fragte er gedankenverloren. „Da! Dort drüben in Richtung der Lichtung sind Abdrücke von riesigen Füßen!“, entgegnete Flora, die Fee. Vorsichtig und leisen Schrittes – soweit es dem Bären möglich war – folgten sie den Spuren. Allmählich näherten sie sich der Lichtung, als plötzlich und ohne Vorwarnung eine hünenhafte Gestalt in Gewandung eines Nordmannes und mit einem Schwert aus dem Unterholz hervorbrach. „Beeren! Ich brauche mehr Beeren!“, schrie er den Bären an. Der Wikinger schwankte noch ein paar Schritte auf den Wankenden Bären zu und kam stolpernd zum Stehen, als er erkannte, wen er da vor sich hatte. Der Bär bemerkte, dass der Mann um den Mund rot verschmiert war und stark nach Met roch. Er zeigte sich etwas verwundert, aber unbeeindruckt: „Du hast also einfach alle meine Beeren verschlungen. Welch Unverfrorenheit! Warum hast du das getan?“ „Ich liebe diese Waldbeeren! Sie schmecken so hinreißend herzig, erfrischend und süß! Wer sagt denn überhaupt, dass das deine Beeren sind?“, entgegnete er mit einem Blick auf seine Buddel und trank daraus. „Ich sage das! Denn ich habe diese Sträucher gesät, gehegt und mit Liebe gepflegt.“, antwortete der Wankende Bär. Schuldbewusst gab der Nordmann kleinlaut bei: „Oh… Tut mir leid. Das wusste ich nicht. Ich bin übrigens Sigurd. Wofür brauchst du eine solch große Menge an Waldbeeren?“ „Ich verwende sie in meiner Honigwein-Produktion.“ Der Hüne fragte sichtlich irritiert: „Wozu benötigt man denn Beeren bei der Metherstellung? Da kommen doch nur Honig, Wasser und Hefe rein?!“ Der Wankende Bär: „Ich mische meinen Met gerne damit. Die Kombination aus sanft-süßem Honigwein mit der leicht säuerlichen, frischen Fruchtigkeit der Waldbeeren ist ein unvergleichliches Geschmackserlebnis. Das solltest du probiert haben!“ und reichte ihm sein Tongefäß. Der Nordmann probierte und war ganz aus dem Häuschen, denn er stellte fest, dass es wirklich köstlich mundete: „Ein wahrlich unglaubliches Feuerwerk der Geschmäcker! Eine Schande, dass von uns bisher noch keiner darauf gekommen ist! Davon muss ich in den Fjordlanden berichten! Wenn du willst, helfe ich dir beim Beerensammeln. Ich weiß, wo ich hier noch nicht war.“ Biene an BlüteDer Bär nahm das Angebot an und machte sich mit seinen kleinen Gehilfen und Sigurd wieder an die Arbeit. Dabei fachsimpelten sie unermüdliche über die Perfektion der Metherstellung, denn auch Sigurd zog es vor, seinen Met nicht einfach bei einem Honigwein-Methändler zu kaufen, sondern setzte ihn lieber selbst an. Am Ende des Tages hatten Sigurd, der Wankende Bär und seine kleinen Freunde dann doch noch einen riesigen Haufen Beeren gesammelt und Sie verbrachten noch einen durchzechten Abend, geprägt von Waldbeermet miteinander. Am nächsten Tag machte sich Sigurd dann mit einem Vorrat an Waldbeermet auf den Weg nach Reykjavík um dort die Kunde vom Wankenden Bären mit dem Beerenmet zu verbreiten. Von da an kamen die Wikinger regelmäßig beim Wankenden Bären vorbei, um mit ihm Beeren zu sammeln und bei der Metherstellung zu helfen.

Außer den Waldbeeren benötigt der Wankende Bär natürlich auch noch Honig für seinen Waldbeer-Honigwein. Diesen bekommt er von den Bienen, welche ihn bereitwillig zur Verfügung stellen, da der Bär Hornissen und andere Störenfriede von den Bienenstöcken fernhält. Die Bienen fliegen viel umher und sammeln den Nektar für ihren Honig aus den Blüten. Sobald sie mit ihrem Rüssel etwas Nektar aufgenommen haben, gelangt dieser in den Honigmagen, wo das Enzym Glucosidase der Saccharose zugeführt wird. Diese wird hierdurch in Fruchtzucker (Fruktose) und Traubenzucker (Glukose) aufgespaltet. Außerdem werden durch Amylase die langen Kohlenhydrate-Molekülketten in kürzere Ketten zerlegt. So hat die Umwandlung des Nektars in Honig schon vor Erreichen des Bienenstocks begonnen. Damit allerdings richtiger Honig daraus wird, muss dem Ganzen noch Wasser und Saccharose entzogen werden.

Honig fließt in GlasIm Stock angekommen, wird der Rohhonig mehrfach umgetragen (wird von Biene zu Biene weitergegeben). Hierbei werden dem Rohstoff immer wieder Enzyme zugeführt, die die Umwandlung der Saccharose in Glukose und Fruktose vorantreiben. Um das enthaltene Wasser noch weiter zu reduzieren, lassen die Bienen den Nektar zudem mehrfach durch ihren Rüssel ab und ziehen ihn wieder ein. Im letzten Schritt wird der zukünftige Honig großflächig im Stock ausgebreitet und die Tierchen fächeln diesem mit ihren Flügeln Luft zu, um die Substanz auf einen Flüssigkeitsgehalt von maximal 20 % einzudicken. Ist dies vollbracht, ist der Honig fertig und bereit eingelagert zu werden.

Jetzt kann der Wankende Bär seinen Honig von den Bienen sammeln, um daraus den Wein für den Waldbeermet zu machen. Hierfür vermengt er eine bestimmte Menge des Honigs mit Wasser und erhitzt dieses Gemisch im Anschluss, sodass eventuell enthaltene Fremdhefen abgetötet werden. Die Lösung wird im Folgenden mit kaltem, klaren Bergquellwasser aufgegossen und es werden spezielle Hefenährsalze zugeführt. Nun muss die Lösung herunterkühlen, bis diese höchstens 25° Celsius warm ist, wonach die Reinzuchthefe hinzugegeben wird. Im Anschluss wird alles noch einmal ordentlich vermengt und das Gärbehältnis kann verschlossen werden. Unter täglichem Schwenken des Behälters muss der unfertige Met jetzt etwa 20 Tage lang ruhen. Nach dieser Zeitspanne ist der Honigwein fertig und bereit für eine Geschmacksprobe durch den Bären höchstpersönlich. Ist diese bestanden, ist es an der Zeit, das Honigwein auf Waldbeersaft trifft zu vermengen und das vorzügliche Gemisch nach einer weiteren Kostprobe (Qualität schreibt der Wankende Bär schließlich groß) in Flaschen abzufüllen und unter die Leute zu bringen.

Gebt mir gleich aus diesem Fasse von dem honigsüßen Nasse. Hurtig! Einen Becher her!
Eugen Roth (1895 – 1976)